Hard Facts - Fast Fashion

Der Begriff „Fast Fashion“ ist seit über 15 Jahren präsent - angeführt von Modemarken wie Zara, H&M und Co., die Kleidung in Übermengen und zu günstigen Preisen produzieren. Unternehmen wie Primark oder KiK treiben es dabei auf die Spitze. Hier kostet ein T-Shirt manchmal nur 99 Cent und eine Hose nur 8 Euro. Hier findet ihr einige Infos zu diesem Thema, denn Arbeitsausbeutung existiert in der Modeindustrie und betrifft uns alle:

„In einem gewissen Sinne treiben wir es voran. Unsere Nachfrage, unser Verbrauch von hochwertigen Produkten zu niedrigen Kosten bedeutet, dass irgendwo irgendwer den echten Preis bezahlen muss. Und das ist etwas, was wir uns eingestehen müssen.“ - Steve Trent (Environmental Justice Foundation)


Die Bekleidungsproduktion hat sich von 2000 bis 2014 verdoppelt - mit verheerenden Auswirkungen.

2014 wurden mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke neu produziert. Deutsche kaufen im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr – tragen diese allerdings nur halb so lang wie vor 15 Jahren. Dabei sind unsere Kleiderschränke voll und wir haben eigentlich mehr Kleidung, als wir benötigen: Umfragen von Greenpeace belegen, dass so gut wie jeder Kleidungsstücke im Schrank liegen hat, die nie getragen werden. Mode ist so günstig wie nie zu kaufen, deswegen wird Kleidung ohne großes Zögern gekauft. Und weil Mode so günstig ist, ist sie zur Wegwerfware verkommen. Viele Deutsche werfen ihre Kleidung nach nur wenigem Tragen in Altkleidercontainer - 1,3 Millionen Tonnen jährlich landen in solchen (Greenpeace 2017: 1ff; Greenpeace 2015). Dabei vergessen wir, dass Kleidungsherstellung ein aufwändiger Prozess für Mensch und Umwelt ist und die Konsequenzen der Wegwerfware schwer sind. Billigmode ist am Ende dann doch teuer.


Viele Arbeiter/innen in der Textilindustrie erleben keine Arbeitsrechte.

Überstunden und Arbeit in den offiziellen Pausen ist oft an der Tagesordnung, oft wird bis zu 14 Stunden am Tag gearbeitet, um dem Zeitdruck der Überproduktion stand halten zu können. Berichten zufolge gibt es nur begrenzte Zeiträume für Toilettengänge oder es wird Einzelnen vorgeschrieben, wann sie zur Toilette gehen dürfen. Schwangere müssen dieselbe Arbeit wie Nichtschwangere leisten. Nur etwa ein Fünftel aller Arbeiter/innen weltweit haben einen festen Arbeitsvertrag (EKD 2018: 10).


Viele Menschen in der Modeindustrie arbeiten unter schlechten Bedingungen: das Arbeitsumfeld ist schmutzig und unsicher.

90 % unserer Kleidung kommt aus Asien, der Großteil aus China. In Myanmar haben sich zwei Drittel der Arbeiter/innen bei der Arbeit schon einmal verletzt. Ein anderes Beispiel: am 24. April 2013 ist das Rana Plaza Gebäude in Bangladesch zusammengebrochen. 1138 Menschen sind bei dem Unglück gestorben, weitere 2500 Personen wurden dabei verletzt. In diesem Gebäude wurde für verschiedene bekannte Modelabels Kleidung produziert unter anderem für Primark (Fashion Revolution o.J.; Fries, Teresa 2017).


Viele Arbeiter/innen sind Opfer von Gewalt.

Das indonesische Sedane Labour Resource Center (kurz: LIPS) führt Studien zu Arbeitsbedingungen in der Industrie durch und konzentriert sich dabei auf Arbeitnehmerrechte. Deren Berichten zufolge gibt es mehrere Folgen von Gewalt auch in der Textilindustrie. Es wird von Demütigungen, körperlichen Angriffen durch Schläge und sexueller Gewalt berichtet. In einem Fall wurde einer Frau eine Arbeitsstelle gegen eine sexuelle Handlung angeboten (EKD 2018:11).


Ein Großteil der Arbeiter/innen in der Modeindustrie lebt in Armut.

Die meisten können sich selbst Lebensnotwendiges nicht leisten, sie werden dafür zu schlecht bezahlt. Denn laut einer Studie geht nur 18 Cent an diejenigen, die das T-Shirt genäht und gefertigt haben, wenn ein T-Shirt 29 Euro kostet. Der Rest des Geldes geht an die Unternehmen, Zwischenhändler/innen, Lieferant/innen, usw. Und auch wenn der Mindestlohn nach dem Unglück im Rana Plaza 2013 angehoben wurde, verdienen die vier Millionen Näherinnen und Näher in Bangladesch mit am wenigsten weltweit. Der monatliche Mindestlohn liegt bei rund 60 Euro. Das bedeutet einen Durchschnittsstundenlohn von 32 Cent pro Stunde. Bis zum heutigen Tag zeigt die Textilindustrie kein Interesse, das zu ändern (Fries, Teresa 2017, Fashion Revolution 2017).


Laut einer Studie der Ethical Trading Initiative halten 71 % der befragten Textilunternehmen moderne Sklaverei innerhalb ihrer Fabriken für möglich.

Die Zahl der Fabriken und Zulieferbetriebe ist groß und unübersichtlich, besonders im asiatischen Raum, was Kontrollen zu Arbeitszeiten, Arbeitsrechten, etc. erschwert. Weltweit sind ca. 40, 3 Millionen Menschen Opfer von moderner Sklaverei, 25 Millionen davon in Zwangsarbeit. Es ist unklar, wie groß der Anteil der Textilindustrie daran ist (EKD 2018: 9; ILO 2017).

„Inmitten all dieser Herausforderungen, die uns heute bevorstehen, all die Probleme, die sich größer anfühlen als wir es sind, und außerhalb unserer Gewalt sind, könnten wir vielleicht hier mit unserer Kleidung anfangen.” - aus: The True Cost

Wir als Konsument/innen aber können etwas gegen Ausbeutung in der Textilindustrie tun, durch unseren Kauf ein Zeichen setzen und einen Beitrag zur Veränderung leisten. Dazu findet ihr hier faire und nachhaltige Labels, die sich gegen Fast Fashion wehren.


Quellen:

Dowideit, Anette/Wisdorff, Flora (2015): So funktioniert das Modell des Ramschladens Primark. Zugriff am 06.04.2019 unter https://bit.ly/2P4K522.

EKD (2018): Mode um jeden Preis? - Menschenrechte in der Textilindustrie. Zugriff am 06.04.2019 unter https://bit.ly/2YURaHD.

Fashion Revolution (o.J.): Why we need a Fashion Revolution. Zugriff am 06.04.2019 unter https://bit.ly/2HzmOEF.

Fries, Teresa (2017): Fast Fashion in Zahlen - „Menschen sterben für unsere Klamotten”. Zugriff am 06.04.2019 unter https://bit.ly/2KiM4lb.

Greenpeace (2017): Konsumkollaps durch Fast Fashion. Zugriff am 06.04.2019 unter https://bit.ly/2sWMAw8.

Greenpeace (2015): Wegwerfware Kleidung. Bonprix Modestudie 2016.

International Labour Office (2017): Global Estimates of Modern Slavery - Forced Labour and forced marriage, Executive Summary, Genf. Zugriff am 09.04.2019 unter https://bit.ly/2OW9YS2.